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Rezensionen |
| Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin | 2003 | 24 | 2 | |
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J. Shemer, Y. Shoenfeld (Eds.) Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit den medizinischen Aspekten von biologischen, chemischen und radioaktiven Terroranschlägen aus israelischer Sicht. Die beiden Herausgeber haben Aufsätze zu unter anderem folgenden Themen zusammengetragen:
Das Kapitel "Ethische Auswirkung des Terrors" befasst sich mit Terroranschlägen und der Rolle des Arztes. Die Autoren machen deutlich, dass die Aufgabe der Ärzte nicht nur die Aufdeckung von Krankheiten – verursacht durch einen Anschlag – deren Diagnosestellung und Therapie ist. Die Ärzte sollten sich nach Auffassung der Autoren an der Aufklärung über bioterroristische Krankheiten beteiligen, um Verständnis für medizinische Maßnahmen wie Quarantäne, Meldung an das Gesundheitsamt etc. in der Bevölkerung zu wecken, Ängste der Allgemeinheit abzubauen und die öffentliche Wachsamkeit für Terroranschläge mit biologischen, chemischen oder radioaktiven Substanzen zu schärfen. Die Autoren zeigen weiterhin den Konflikt der Ärzte bei Fragen wie Impfungen gegen den erklärten Willen eines einzelnen Patienten aber zum Schutz der Allgemeinheit oder wie werden die vom Arzt an das Gesundheitsamt weitergegebene Patientendaten geschützt. Die Autoren hinterfragen den Hippokrateseid und die Deklaration von Genf angesichts des Vorhandenseins internationalen Terrorismuses. In dem zweiten Kapitel werden medizinische Managementpläne zur Behandlung von durch Terroranschläge Massenverletzten aus Israel vorgestellt, die aufgrund der langjährigen Erfahrung der Autoren mit z.B. Bombenopfern realistisch und aktuell sind. Die Herausgeber haben eine detaillierte Aufstellung über biologische, chemische und radioaktive Substanzen erstellt. Dabei handelt es sich um Waffen, die zur Zeit weltweit diskutiert werden oder in der Vergangenheit schon eingesetzt wurden wie z.B. Sarin in Tokio. Diese Liste kann natürlich nicht komplett sein. Die Substanzen werden in ihrer Wirkweise vorgestellt und die Symptome, die sie bei betroffenen Patienten verursachen, genau beschrieben. Die Autoren legen großen Wert auf die Erkennung dieser Symptome, damit der behandelnde Arzt sofort therapieren und Maßnahmen ergreifen kann, um ein weiteres Ausbreiten der Katastrophe in der Bevölkerung zu verhindern. Bei den chemischen Waffen werden Nervengase und Pestizide vorgestellt wie Cyanide, Anticholinesterase-Inhibitoren, Sarin und Senfgas. Die Rubrik biologischer Waffen umfasst Anthrax, Pocken, hämorrhagisches Fieber, Ricin sowie verschiedene Superantigene. Ein Unterkapitel "Radioaktive Substanzen" und deren Auswirkung schließt sich an. Ein großer Abschnitt befasst sich mit den Verletzungsmustern von Bombenopfern, deren Therapie sowie möglichen Komplikationen. Den Schluss bilden die psychologischen Aspekte im Umgang mit Terroropfern. Hier wird sowohl die psychische Verfassung der Opfer in der Akutsituation als auch in der Zeit nach dem Anschlag vorgestellt. Es ist den Herausgebern gelungen, umfassend über verschiedene Terroranschläge und deren Auswirkung auf den menschlichen Körper und die Psyche zu informieren. In der heutigen Zeit, in der der internationale Terrorismus diskutiert wird, ist ein solches Buch ausgesprochen wertvoll, da in Deutschland in diesem Bereich der Medizin wenig Erfahrung herrscht. Das Buch vermittelt durch entsprechende Abbildungen und Fallbeispiele anschaulich die Symptome verschiedener Erkrankungen, hervorgerufen durch biologische, chemische oder radioaktive Substanzen bzw. durch Bombenattentate. Es wird aber auch von Seiten der Herausgeber Wert auf den Eigenschutz des medizinischen Personals und dem Verhindern eines Ausbruchs von Katastrophen gelegt. Besonders empfehlenswert ist das Kapitel über die psychischen Auswirkungen von Attentaten auf die Opfer, insbesondere in der posttraumatischen Zeit. Die psychischen Schäden können ein Leben lang anhalten, erst lange nach dem Attentat sichtbar werden und dadurch für den behandelnden Arzt nur schwer erkennbar sein. Es ist spannend die Erfahrungen aus Israel zu lesen und die eingangs aufgeworfen ethischen Fragen über die Rolle des Arztes im Terror sind unter dem Gesichtspunkt der ständigen Bedrohung der Autoren durch Terroristen zu sehen. |
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