20. Juli 2015
 

Wie Wolfgang Amadeus Mozart starb: kein Gift, wahrscheinlich Streptokokken

 

Wolfgang Amadeus Mozart ist aller Wahrscheinlichkeit nach an einer Infektionskrankheit gestorben. Die häufig kolportierten Vermutungen einer tödlichen Vergiftung sind nicht belegbar, berichtet der Kardiologe Professor Dr. Hans-Joachim Trappe (Herne) in seinem aktuellen Reader "Krankheit - Sphäre des Schaffens. Komponisten im Spiegel medizinischer Forschung".

Mozart wurde in seiner Kindheit und Jugend von seinem Vater international als Wunderkind präsentiert und war, immer wieder auf beschwerlichen Reisen, gesundheitlich überfordert. Doch als Erwachsener schränkte er die Reisen ein und blieb er über Jahre gesundheitlich relativ stabil.

Sein äußeres Erscheinungsbild wirkte unattraktiv: nur wenig über 150 cm groß, später etwas korpulent mit großem Kopf und plumper Nase. Seine Haut war von Pocken, seine äußere Ohrmuschel von Fehlbildungen entstellt.

Seit dem Sommer 1791 fühlte sich der 35jährige unwohl und müde; Schmerzen in den Lenden kamen hinzu. Ende Oktober des gleichen Jahres wurde Mozart bettlägrig, sein Arzt verordnete vollständige Ruhe, ohne eine Diagnose gestellt zu haben. An den Extremitäten und am ganzen Körper bildeten sich großflächige Schwellungen. Häufig musste Mozart erbrechen. Sein Arzt unterstellte "hitziges Frieselfieber" und ließ einen Aderlass vornehmen. Am 4. Dezember kam es zu hohem Fieber und unerträglichen Kopfschmerzen. Kühle Umschläge brachten keine Linderung. Gegen 0.50 Uhr des 5. Dezember 1791 tat einer der bedeutendsten Musiker der Weltgeschichte seinen letzten Atemzug.

Trappe: "Es bleibt Spekulation, ob Mozart an einer akuten bakteriellen oder viralen Infektion starb, an einer akuten oder chronischen Nierenerkrankung, die letztendlich zur Urämie führte - oder ob andere entzündliche Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis vorlagen. Generalisierte Ödeme, die bei Mozart beobachtet wurden, sind ansonsten Zeichen kardiovaskulärer Erkrankungen, kommen bei nephrotischem Syndrom, Malnutrition, Leberinsuffizienz und vor allem bei eingeschränkter glomerulärer Filtration vor, z.B. im Rahmen einer akuten Nephritis. Im Jahr 2000 legte sich eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler als Todesursache auf ein akutes rheumatisches Fieber fest, das von einer Streptokokken-Infektion ausgelöst worden sei."

In "Krankheit - Sphäre des Schaffens" bieten Hans-Joachim Trappe und Wolfgang Mastnak detailliert auf neustem Forschungsstand die somatischen und psychischen Anamnesen von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Frederic Chopin, Robert Schumann, Anton Bruckner, Erik Satie, Max Reger und Maurice Ravel.
 

   

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