24. Juli 2014
 

Psychologische Studie zur Pflege: zunehmender Sinnverlust und abnehmende Wertschätzung

 

Etwa 90 Prozent der Pflegenden sind stolz auf ihren Beruf. Doch die Mehrheit vermisst die entsprechende Wertschätzung in und außerhalb der Klinik. "Insbesondere in den Beziehungen zur Pflegedienstleitung und zu den Ärzten herrscht das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden." Derartige Defizite belasten die Motivation und letztlich auch die eigene Gesundheit der Pflegenden. Zu diesen Ergebnissen kommt eine qualitative Studie von Dr. Barbara Hinding und KollegInnen (Universität Heidelberg/Mannheim).

"Zwischen der Erfahrung von Wertschätzung auf der Ebene der Organisationskultur und den Wertschätzungs-Erfahrungen Pflegender auf den anderen Ebenen gibt es klare Zusammenhänge. Je geringer die Wertschätzung auf der Organisationsebene, desto geringer ist auch die Wertschätzung in der Abteilung, durch die direkten Vorgesetzten und im Team. Auch die Wertschätzung durch Patienten ist dadurch betroffen. Je geringer die Wertschätzung auf den Ebenen der Organisation, der Abteilung und des Teams, desto geringer ist auch die Wertschätzung durch Patienten. Hier schließt sich der Kreislauf. Das Ergebnis spricht für eine Wirkungsschlaufe, welche die Gesellschaft, die Organisation und auch die Patienten umfasst."

Gelingt es künftig nicht, die ungünstige Entwicklung aufzubrechen, "droht der Pflege auf Dauer eine Entwertungsspirale, die einen weiteren Imageverlust, ausbleibenden Nachwuchs, Arbeitsunzufriedenheit, Berufswechsel, Krankheit und Frühverrentung mit sich bringt."

"Kritisch für die Pflege ist derzeit ein Gefühl des Sinnverlusts. Viele Pflegekräfte haben diesen Beruf ergriffen, um einer Tätigkeit nachzugehen, in der sie anderen Menschen in Not professionell helfen können. Die aktuellen Arbeitsbedingungen stellen dies infrage, da die verinnerlichten Qualitätsmaßstäbe nicht erfüllt werden können. Dies wird als Entwertung und Missachtung pflegerischer Qualifikation und des beruflichen Selbstverständnisses wahrgenommen und als Ausdruck einer Kultur, welche Effizienz und Ökonomie über das Patientenwohl und die Gesundheit der Mitarbeitenden stellt," berichten die PsychologInnen in ihrer Studie.
 

   

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