29. Februar 2012
 

Senioren im Pflegeheim: Inkontinenzversorgung, Babysprache und Beschränkungen beschleunigen den Abbauprozess

 

Stress und Ärger bestimmen häufig den Alltag von Angehörigen pflegebedürftiger alter Menschen: Zunächst richtet sich der Ärger an den Senior, der schwer zufrieden zu stellen ist; wurde er in einem Pflegeheim untergebracht, lösen kritisierende Angehörige und Freunde Ärger aus; und bei näherer Betrachtung der Verhältnisse im Pflegeheim verursachen auch sie erneuten Ärger, berichtet Prof. Dr. Brigitte Jenull (Universität Klagenfurt) in ihrer Studie "Spannungsfeld Pflegeheim".

"Bedrückt, niedergeschlagen und verzweifelt erleben sich die betroffenen Angehörigen in der Phase des Heimeinzugs. Mit der Gefühlsdimension Trauer wird vor allem ein Mitfühlen und ein Mitleid mit den alten Menschen und oft auch ein Bedauern gegenüber dem tristen, unwürdigen Pflegeheim ausgedrückt. Die Äußerungen der Angehörigen gehen in die Richtung, dass sie niemandem ein Leben im Heim wünschen oder kein alter Mensch ein solches verdient hätte."

In der Umfrage bei Angehörigen registrierte die Psychologin sehr viel Angst: Die zentralen, besorgten "Äußerungen fokussierten auf die Heimumgebung, die Pflegequalität und den abhängigkeitsfördernden Umgang mit pflegebedürftigen Menschen." Jenull sieht bei Angehörigen die berechtigte Sorge, dass eine prophylaktische Inkontinenzversorgung, die im Alltag verwendete Babysprache und Einschränkungen in der Selbstbestimmung den Abbau-Prozess beschleunigen können.
 

   

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