|
 |
|
Antinukleäre Antikörper, die wichtigsten
Marker für Autoimmunerkrankungen, sind
weitaus häufiger als bisher angenommen. In
einer US-Studie in Arthritis & Rheumatism
(2012; doi: 10.1002/art.34380) wurden sie
bei jedem siebten Erwachsenen im Blut
nachgewiesen.
Antikörper gegen körpereigenes Gewebe sind
die Auslöser einer langen Reihe von
Autoimmunerkrankungen, und ihr Nachweis im
Blut ist ein wichtiger diagnostischer
Hinweis. Zu den ersten Tests gehört im
klinischen Alltag ein Assay auf antinukleäre
Autoantikörper (ANA). Sie treten sehr häufig
beim Lupus erythematosus und dem Sjögren
Syndrom, aber auch bei der rheumatoiden
Arthritis auf.
ANAs sind jedoch nicht beweisend. Sie können
bei anderen Erkrankungen (mit Schädigungen
von Zellen und Zellkernen) vorübergehend
gebildet werden, und nicht selten werden sie
auch bei klinischen gesunden Menschen
nachgewiesen.
Die Gruppe um Frederick Miller vom National
Institute of Environmental Health Sciences
in Bethesda/Maryland hat jetzt erstmals die
Prävalenz in einer größeren Stichprobe
untersucht, die auch Subgruppen-Analysen
erlaubt. Es handelt sich um 4.754
US-Amerikaner im Alter über 12 Jahren, die
in den Jahren 1994-2004 am National Health
and Nutrition Examination Survey (NHANES)
teilgenommen hatten. Die Prävalenz der ANA
betrug 13,8 Prozent. Damit hat nicht weniger
als jeder siebte Erwachsene Antikörper im
Blut, deutlich mehr als an
Autoimmunerkrankungen leiden. Die Prävalenz
der ANA steigt mit dem Lebensalter, um nach
einem Gipfel bei den 40- bis 49-Jährigen
wieder abzufallen.
Interessanterweise haben Übergewichtige und
Adipöse seltener ANA im Blut. Der Grund ist
nicht bekannt. Mitautorin Minoru Satoh von
der Universität von Florida vermutet, dass
Fettzellen eine noch nicht identifizierte
Substanz freisetzten, die die Bildung von
Autoantikörpern hemmt.
Quelle:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48768
Karsten Conrad, Werner Schößler, Falk Hiepe:
Autoantikörper bei organspezifischen
Autoimmunerkrankungen – Ein diagnostischer
Leitfaden
Pabst, Lengerich/Berlin, 328 Seiten, ISBN
978-3-89967-688-4
Karsten Conrad, Werner Schößler, Falk Hiepe:
Autoantikörper bei systemischen
Autoimmunerkrankungen – Ein diagnostischer
Leitfaden
Pabst, Lengerich/Berlin, 256 Seiten, ISBN
978-3-89967-350-0
|