21. August 2010
 

Mentale Probleme bei älteren Personen nicht immer durch Alzheimersche Krankheit bedingt

 

Ein aktueller Case Report beschreibt den Fall einer älteren Frau mit mentalen Störungen, die der Alzheimerschen Krankheit zugeschrieben wurden. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie an einer behandelbaren limbischen Enzephalitis litt. Dieser Fall ist besonders wichtig, da es auf Grund der weltweit zunehmenden Zahl älterer Menschen entscheidend ist, dass diese, wenn sie mit entsprechenden Symptomen beim Arzt vorsprechen, die richtige Diagnose erhalten und nicht nur eine Alzheimersche Krankheit (oder typischerweise Demenz) vermutet wird. Der Case Report stammt von Dr. Nathalie Costedoat-Chalumeau und Kollegen vom Centre Hospitalier Universitaire Pitié-Salpêtrière in Paris.

Die damals 70-Jährige erschien im Juli 2007 im Krankenhaus mit einer 4-monatigen Vorgeschichte von Verwirrtheit und zeitweisem Gedächtnisverlust, jedoch ohne frühere medizinische Vorgeschichte. Körperliche und neurologische Untersuchungen verliefen normal, neuropsychiatrische Tests jedoch offenbarten Gedächtnis- und Lernstörungen. Blutanalysen blieben ohne Befund, eine Kernspintomografie jedoch lieferte Anomalien des Hippocampus, die üblicherweise mit der limbischen Enzephalitis verknüpft sind. Die Patientin wurde mit Cyclophosphamid-Infusionen und Steroiden behandelt, worauf sich die Symptome besserten. Ein Rückfall nach 18 Monaten konnte ebenso erfolgreich behandelt werden.

Die limbische Enzephalitis ist eine Störung des Gehirns, bei der pathogene Substanzen das limbische System angreifen, eine Ansammlung von Strukturen um den Hirnstamm, die Gefühle und andere grundsätzliche Aufgaben steuern. Eine limbische Enzephalitis kann sich in kognitiven Störungen mit kurzfristigen Gedächtnisausfällen zeigen, zeitweiligen Krampfanfällen und psychiatrischen Störungen, die über mehrere Wochen fortschreiten.

Die Autoren stellen fest: "In unserem Fall hätte die Diagnose fälschlicherweise auf Alzheimersche Krankheit lauten können, insbesondere, da die computertomografische Auswertung des Gehirns normal erschien. Allerdings waren die kurzzeitige Entwicklung und die damit verknüpften Merkmale in der MRT für Alzheimersche Krankheit untypisch und führten uns zur Untersuchung auf eine limbische Enzephalitis."

Die Forscher folgern daher: "In der Vergangenheit wurde die limbische Enzephalitis als seltene Erkrankung angesehen, häufig mit Krebs verknüpft und nicht behandelbar. Die Entdeckung von neuen Antikörpern und Autoimmunmechanismen brachte immunsuppressive Therapien hervor, die die Prognosen verbessern, insbesondere in den Fällen, in denen Antikörper von Antigenen der Zellmembranen vorliegen. Die Erkrankung sollte daher als eine keineswegs ungewöhnliche und behandelbare Ätiologie einer rasch fortschreitenden Demenz angesehen werden."

Quelle: http://www.thelancet.de/artikel/1043183
 

Pasquale Calabrese & Hans Förstl (Hrsg.):
Psychopathologie und Neuropsychologie der Demenzen

Pabst, Lengerich/Berlin, 224 Seiten, ISBN 978-3-933151-56-8 (3-933151-56-2)

   

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