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Das Kompetenznetz Diabetes mellitus und die
Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) haben
in einem offenen Brief an die
Bezirksregierung Köln erhebliche Bedenken
gegen deren Genehmigung von
Stammzelltherapien zur Behandlung des
Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 geäußert.
Eine Wirksamkeit der Behandlung ist nach
Einschätzung der Experten wissenschaftlich
nicht belegt. Die Patienten würden durch
hohe Kosten belastet. Eine Schädigung der
Gesundheit durch Nebenwirkungen sei nicht
auszuschließen.
Anlass des Briefes ist die Genehmigung für
die Entnahme von Knochenmark und eine
Freigabe von Stammzellpräparaten zur
autologen Anwendung bei Typ-1- und
Typ-2-Diabetikern. Dafür entnehmen Ärzte
Patienten Knochenmark. Im Labor werden die
Stammzellen isoliert, aufbereitet und in die
Bauchspeicheldrüse transplantiert. Dort
sollen sie sich oder andere Zellen in
Insulin produzierende Betazellen verwandeln.
Nach erfolgreichen tierexperimentellen
Studien ist diese Behandlungsform ein viel
versprechender Ansatz, um zukünftig Diabetes
mellitus zu heilen. „Derzeit gibt es jedoch
keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse,
dass Patienten von einer solchen Therapie
profitieren“, kritisieren Professor Dr. med.
Anette-Gabriele Ziegler, Sprecherin des
Kompetenznetzes Diabetes mellitus, München,
und DDG-Präsident Professor Dr. med. Thomas
Danne, Hannover, gleichzeitig
Vorstandsvorsitzender der Gesamtorganisation
diabetesDE.
Beim Menschen ist die Therapie bisher nicht
gelungen. Erst kürzlich ist in Spanien eine
Studie nach drei von zehn geplanten
Patienten abgebrochen worden: Die in die
Bauchspeicheldrüse transplantierten Zellen
hatten die Insulinproduktion nicht steigern
können. Beim Typ-1-Diabetes mellitus liegt
außerdem eine Autoimmunerkrankung vor, bei
der Abwehrzellen des Körpers die Betazellen
zerstören. „Diese aggressiven Zellen sind
weiter im Körper vorhanden. Sie bedrohen
auch später transplantierte Stammzellen”,
berichten die Experten. Verhindern ließe
sich dies, wenn die transplantierten Zellen
so verändert würden, dass das Immunsystem
sie nicht mehr erkennt. Dies ist nach
Auskunft von Professor Ziegler und Professor
Danne bisher nicht gelungen. Die Alternative
bestehe darin, die Autoimmunreaktion durch
Medikamente einzudämmen. Dies sei nur mit
erheblichen Nebenwirkungen für den Patienten
möglich, warnen die Experten.
„Solange Nutzen und Risiken der neuen
Stammzelltherapie nicht bekannt sind, sollte
sie nur im Rahmen von klinischen Studien
durchgeführt werden“, fordern Ziegler und
Danne. Sie bitten deshalb die
Bezirksregierung Köln um eine Erklärung, wie
es zur Zulassung der Therapie für die Firma
XCell-Center gekommen ist. Die private
Klinik für regenerative Therapien mit
Standorten in Düsseldorf und Köln bietet die
Therapie weltweit an. Die Kosten liegen
zwischen 7500 und 10 500 Euro und werden,
soweit bekannt, nicht von den Krankenkassen
übernommen.
Die DDG ist die medizinische
Fachgesellschaft zur Erforschung und
Behandlung des Diabetes mellitus. Das
Kompetenznetz Diabetes mellitus ist ein
Zusammenschluss von Diabetes-Forschern. Er
wird durch das Bundesministerium für Bildung
und Forschung gefördert.
Quelle:
http://idw-online.de/pages/de/news381416
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