Psychoanalyse
Texte zur Sozialforschung
Herausgegeben von Oliver Decker

 


8. Jahrgang - Heft 1/2004


Destruktion des Ideals oder Aggression gegen sich selbst? Spannungen in der Kunst F. X. Messerschmidts
Ulrich Pfarr


Zusammenfassung: Auch das Werk des in Debatten um die Pathologisierung unangepasster Künstler als Musterbeispiel herangezogenen Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783) kann auf persönliche Motive untersucht werden, ohne den Zusammenhang von Biographie und Werk zu einer Paläodiagnose zu konkretisieren. Ausgehend von der These, dass das kurzfristige Lachen über die als "Charakterköpfe" bekannte Serie überwiegend grimassierender Büsten von der Projektion negativer Phantasien und Affekten herrührt, wird die Beziehung zwischen Besonderheiten im Schaffensprozess, den Spuren von Affektzeichen im mimischen Repertoire der Köpfe und dem biographischen Hintergrund der Serie untersucht. Aggressive Momente der Werkstruktur korrelieren mit einem Verhalten der offensiven Schamvermeidung und der Desidentifikation, das massive Demütigungen und Beschämungen des Künstlers verarbeitet.

Schlüsselwörter: Affekt, Ausdruck, Destruktivität, Projektion


Dr. des. Ulrich Pfarr
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