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Qualitative Sozialwissenschaft
und Psychotraumatologie?
Syntheseversuch anhand einer narratologisch-medienbiografischen
Fallstudie über dissoziative Rezeptionsmodi
Harald Weilnböck
Zusammenfassung
Der Autor skizziert theoretische Korrespondenzen und methodologische
Synergien zwischen der qualitativ-soziologischen Narrationsanalyse und dem
Erzählbegriff der neueren Psycho- und Beziehungsanalysen sowie der
Psychotraumatologie. Formuliert wird das Desiderat eines
interdisziplinären handlungstheoretischen Modells von narrativen
Prozessen, das auch für Kultur- und Medienwissenschaften anschließbar
ist. Die exemplarische narrativ-biografische Fallstudie untersucht die
Interview-Erzählung der Abiturientin Leila, die aktiv und kompetent am
schulischen und kulturellen Leben teilnimmt, hinsichtlich ihrer
Lebensgeschichte und ihres Medienrezeptionsverhaltens.
Psychotraumatologisch beschreibbare Belastungsfaktoren der früh
zerrütteten und gewaltlatenten Elternbeziehung und einer auch in der
Jetztzeit nicht spannungsfreien Erziehungssituation werden vor dem
Hintergrund einer bis in die Zeit des Nationalsozialismus reichenden
familiären Dreigenerationen-Dynamik sichtbar. Sie schlagen sich bei Leila
in psychoaffektiven Medienhandlungsmustern nieder, die auf dissoziativen
Narrations- und Rezeptionsmodi beruhen, und führen in ihrem
gegenwärtigen sozialen Leben dazu, dass zentrale Freundschaftsbeziehungen
rekurrentes (projektiv-identifikatorisches) Konfliktgeschehen aufweisen.
Schlüsselwörter: Medienrezeptionsforschung,
Psychotraumatologie, Narratologie, Psychoanalyse, Dissoziation,
Dreigenerationen-Dynamik, Holocaust
Dr. Harald Weilnböck (Ph.D.)
(Gruppenanalyse, DAGG)
Freie Universität Berlin, Germanistik
Kurfürstendamm 123
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