Psychoanalyse
Texte zur Sozialforschung
Herausgegeben von
Oliver Decker und Ada Borkenhagen


5. Jahrgang - Heft 8 - Juni 2001


Ist Psychoanalyse eine Sozialwissenschaft?
Paul Parin

Zusammenfassung. Im Jahre 1973 war die Frage aktuell: Was am Verhalten des Menschen ist angeboren, biologisch oder "natürlich" bedingt, und was ist erworben, durch die Entwicklung in einem Sozialgefüge, in einer "culture" bedingt.
Parin stand auf dem Standpunkt, dass es den natürlichen Menschen nicht gibt, sondern nur den (mit Bindestrichen versehenen) "Menschen-in- seinem-Gesellschaftsgefüge".
Der Autor diskutiert, wieso sich eine Trennung und Gegenüberstellung Natur gegenüber Entwicklung so lange halten konnte; die Entwicklung des Menschen gehorcht eben anderen Gesetzen als das instinktgeleitete Verhalten der Tiere.
Durch Fortschritte in der Erforschung der Genausstattung ist die alte und überholte Trennung "natürlich" – gegenüber "erworben" – wiederbelebt worden. Damals wie heute haben Fortschritte biologischer Forschung dazu geführt, die gewonnenen Einsichten der Psychoanalyse nicht mehr zu beachten. Die naiv-herkömmliche Trennung von Natur und Gesellschaft beruht auf einer Ideologie, auf dem kulturzentristischen Skrotom einer auf Forschung, Technik und Machbarkeit ausgerichteten Industriegesellschaft.

Schlüsselwörter: Psychoanalyse und historischer Prozess, die "zweite Natur" des Menschen, Kritik der Systemtheorie, Ethnopsychoanalyse, kulturspezifische Metapsychologie, psychosozialer Konflikt statt Ödipuskomplex, Clangewissen, Gruppenich, Identifikation mit der sozialen Rolle, Anpassung vs. Angleichung, der Analytiker jenseits des Realitätsprinzips

Dr. Paul Parin
Utoquai 41
CH-8008 Zürich


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