| Psychoanalyse Texte zur Sozialforschung Herausgegeben von Oliver Decker und Ada Borkenhagen |
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4. Jahrgang - Heft 7 - Dezember 2000 |
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Die
Öffnung zur Denkwelt Nietzsches – eine Aufgabe für Psychoanalyse und
Psychotherapie Zusammenfassung. Der Keim der psychoanalytischen Kritik an der Philosophie wurde in den Diskussionen der Wiener Mittwoch-Gesellschaft gelegt. Diese Philosophiekritik verdient deshalb Beachtung, weil damals die Weichen gestellt wurden, die den Austausch und die Verständigung zwischen Psychoanalyse und Philosophie von Anfang an sehr erschwert haben. Dies lässt sich insbesondere an der Rezeption Nietzsches verdeutlichen, der für Freud und bis in die jüngste Zeit für viele Psychoanalytiker unverstanden der Andere, der Fremde, der nicht zu Integrierende blieb. Aus den Protokollen der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft, die seit 1906 von Otto Rank geführt wurden, ist ersichtlich, dass sich die Wiener Psychoanalytiker intensiv mit der Philosophie auseinandergesetzt haben. Ihre Aufmerksamkeit galt besonders den in der Wiener Moderne hochaktuellen Lebensphilosophen Schopenhauer und Nietzsche. In den Jahren 1907 bis 1912 finden sich mehr als dreißig Bezugnahmen auf Person und Werk Schopenhauers. Nicht minder groß war das Interesse an Nietzsche, über den immer wieder gesprochen wurde (vgl. Giampieri Deutsch 1992, S. 69). Das Anliegen der vorliegenden Arbeit ist, zu einer wechselseitigen Öffnung zwischen den Denkwelten Nietzsches und Freuds beizutragen. Im ersten Teil wird die Philosophiekritik in der Mittwoch-Gesellschaft beleuchtet, die dazu führte, dass Nietzsche als Nicht-Wissenschaftler aus der Psychoanalyse ausgegrenzt wurde. Im zweiten Teil wird gezeigt, dass Nietzsche die von psychoanalytischer Seite gegen ihn ins Spiel gebrachte Philosophiekritik selbst vertreten hat; in der kritischen Analyse zentraler philosophischer Grundbegriffe wie Wille, Bewusstsein und Ich war er ein Antimetaphysiker ganz im Sinne Freuds. Im dritten Teil geht es schließlich um Nietzsches radikale Infragestellung von Erkenntnis, Wahrheit und Wissenschaft, die eine Herausforderung für die heutige Psychoanalyse und Psychotherapie ist. Das 100. Todesjahr Nietzsches könnte ein guter Anlaß sein, diesen Philosophen für die Psychoanalyse zu entdecken: als einen geistig Verwandten und in vieler Hinsicht Verbündeten, aber auch als einen Kritiker und Gegenspieler. Schlüsselwörter: Freud-Nietzsche-Diskurs, Klischees der psychoanalytischen Philosophiekritik, Nietzsche als antimetaphysischer Vordenker Freuds, Nietzsches radikale Infragestellung von Erkenntnis, Wahrheit und Wissenschaft, Macht als zentrale Perspektive der entlarvenden Psychologie Dr.
Günter Gödde |
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| Pabst
Science Publishers Lengerich, Berlin, Riga, Rom, Wien, Zagreb |
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