Guido Kempter
Das Bild vom Anderen
Skriptanimation als Methode zur Untersuchung
spontanerAttributionsprozesse

Obwohl unsere Sinneswahrnehmung uns lediglich über die äußere Beschaffenheit eines Menschen informiert, sind wir oft schon nach sehr kurzer Bekanntschaft mit einer Person davon überzeugt, sie auch inwendig zu kennen. Dieses Buch geht den Entstehungsbedingungen dieser sog. "Menschenkenntnis" nach. Damit wird ein Kernproblem der Psychologie behandelt, das Geistes- und Naturwissenschaftler schon seit dem Altertum beschäftigte und das bis heute nichts von seiner Aktualität und seiner Bedeutung für das Verständnis der zwischenmenschlichen Beziehungen eingebüßt hat.

Im Rahmen einer wissenschaftshistorischen Aufarbeitung der Forschungsliteratur wird erörtert, welche Mechanismen dieser Menschenkenntnis und der ihr vorausgehenden psychologischen Evidenz des Anderen zugrundeliegen. Als Fazit äußert der Autor die Vermutung, daß das subjektive Bild und das sichere Gefühl der Nähe des Gegenübers in der zwischenmenschlichen Verständigung maßgeblich durch die unwillkürliche Rezeption der natürlichen Körperbewegungen herbeigeführt wird. Zur Untersuchung dieser Hypothese wird ein neues, als Skriptanimation bezeichnetes, Verfahren entwickelt und vorgestellt. Mit dessen Hilfe läßt sich das natürliche menschliche Bewegungsverhalten auf einem Computerbildschirm simulieren und nach Art der ethologischen Attrappenversuche systematisch verändern. In vier Pilotstudien wird das Verfahren in bezug auf seine Leistungsfähigkeit als Instrument zum Studium spontaner Attributionsprozesse ausgetestet und zur Hypothesentestung eingesetzt.

Die Ergebnisse machen deutlich, daß allein schon die Bewegungsvariation markante Reaktionen sowohl im vegetativen als auch im kognitiven System der Rezipienten evoziert. Darüber hinaus erbrachten die Experimente den Befund, daß die von der computeranimierten Puppe ausgelösten Reaktionen sich in zahlreichen Fällen kaum von jenen unterscheiden, die die Darbietung der Originalperson bei den Zuschauern hervorgerufen hatte. Andererseits zeigt sich, daß schon relativ geringfügige Modifikationen des Bewegungsverhaltens zu gravierenden Veränderungen in der Eigenschaftsattribution führten. Der Autor sieht durch die Resultate die Annahme gestützt, daß das rezipierte Bewegungsverhalten des Anderen eine tragende Rolle in der interpersonalen Eindrucksbildung einnimmt. Abschließend werden die Ergebnisse u.a. im Zusammenhang psychobiologischer Konzepte diskutiert und die Skriptanimation als breit anwendbares Verfahren in der psychologischen Forschung und Praxis vorgestellt.

 

1999, 208 Seiten, ISBN 3-934252-14-1, Preis:15,- Euro

Pabst Science Publishers
Eichengrund 28
D-49525 Lengerich



>>> Bei E-Mail-Bestellungen bitte immer Name und Anschrift
des Absenders angeben. Vielen Dank.