Eric R. Igou
Determinanten der Wichtigkeit von Information: Eine kommunikative Perspektive zur Erklärung von Primacy und Recency Effekten bei Urteilen und Entscheidungen


Bereits in vielen psychologischen Arbeiten wurden Reihenfolgeeffekte untersucht. Allerdings ist bislang immer noch nicht geklärt, ob die erste Information oder die letzte Information einen größeren Einfluß auf Urteile und Entscheidungen hat. In den meisten Ansätzen werden die Ursachen von Reihenfolgeeffekten in erster Linie in rein kognitiven Prozessen gesehen. Im Gegensatz dazu werden in dieser Arbeit Reihenfolgeeffekte auf die Anwendung von spezifischen kommunikativen Regeln für unterschiedliche persuasive Kommunikationsformen zurückgeführt.

Es wird angenommen, daß bei der Berücksichtigung der Regel für einseitige Kommunikationen (in denen pro- oder contra-Argumente präsentiert werden) Rezipienten die wichtigste Information am Anfang der Botschaft erwarten. Im Unterschied dazu sollten sie bei zweiseitigen Kommunikationen (in denen pro- und contra-Argumente präsentiert werden) die wichtigste Information am Ende der Botschaft erwarten. Diese Annahmen werden durch eine Befragung von Rezipienten hinsichtlich ihrer Erwartungen zur Reihenfolge der Information bei einseitigen und zweiseitigen Kommunikationen bestätigt. In Anlehnung an diese Überlegungen und die Ergebnisse der Befragung wird angenommen, daß diese Erwartungen hinsichtlich der Reihenfolge der Information in Abhängigkeit von der spezifischen Art der Kommunikation zu einer unterschiedlichen Gewichtung der Information führen sollte. In mehreren Experimenten wurde die Reihenfolge der Argumente und die Angemessenheit der jeweiligen kommunikativen Regel systematisch variiert. Bei einseitigen Kommunikationen bewerteten die Versuchspersonen die Produkte in stärkerem Maß in Abhängigkeit von den ersten als von den letzten Argumenten (Primacy Effekte). Bei zweiseitigen Kommunikationen konnte ein größerer Einfluß der letzten Argumente festgestellt werden (Recency Effekte). Beide Reihenfolgeeffekte wurden durch Diskreditierung der entsprechenden kommunikativen Regel reduziert. Zusätzlich konnte nachgewiesen werden, daß diese Effekte über die wahrgenommene Wichtigkeit der Argumente vermittelt wurden. Diese Ergebnisse unterstützen die Annahmen, daß kommunikative Regeln die wahrgenommene Wichtigkeit der Argumente und somit ihre Überzeugungskraft in Abhängigkeit von ihrer Reihenfolge beeinflussen.

2001, 176 Seiten, 

ISBN 3-935357-27-3
Preis:  20,- Euro


Pabst Science Publishers
Eichengrund 28
D-49525 Lengerich

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