Jutta Joormann
Selektive Aufmerksamkeit und depressiveVulnerabilität: Die Bedeutung valenzspezifischer Inhibitionsdefizite

Gibt es Besonderheiten im Denken oder in der Wahrnehmung, die Menschen anfällig machen für das Erleben depressiver Episoden? Die Suche nach kognitiven Auffälligkeiten, die Vulnerabilitätsfaktoren für das Erleben depressiver Episoden sein könnten, ist nach wie vor ein Hauptanliegen der Depressionsforschung. Die Frage, ob selektive Aufmerksamkeit für negative Reize ein solches Vulnerabilitätsmerkmal ist, wird in diesem Zusammenhang kontrovers diskutiert.

Zur Untersuchung dieser Frage wird in der Arbeit der Versuch einer Integration klinisch-psychologischer und kognitionspsychologischer Forschung unternommen. Kernthese der Arbeit ist, daß sich in den immer wieder beschriebenen Symptomen des Grübelns über negative Ereignisse und der selektiven Beachtung negativer Reize ein Defizit in einem wesentlichen kognitiven Mechanismus äußert, der selektiven Aufmerksamkeitsleistungen zugrunde liegt, der kognitiven Inhibition irrelevanter Reize. Ein solches inhibitorisches Defizit wird als ein wesentlicher Aspekt depressiver Vulnerabilität gesehen.

Nach einem kurzen Überblick über unterschiedliche Ansätze der Depressionsdiagnostik erfolgt eine Darstellung grundlegender Probleme der kognitiven Vulnerabilitätsforschung. Verschiedene Konzeptualisierungen von Vulnerabilität werden vorgestellt sowie einige wichtige Designs, die in der Forschung zu kognitiver Vulnerabilität Anwendung gefunden haben. Dem schließt sich ein Überblick über kognitive Depressionstheorien mit Schwerpunkt auf ihren jeweiligen Thesen zu Vulnerabilitätsmerkmalen an. Im folgenden Kapitel wird ein Überblick über die sehr heterogenen empirischen Befunde zu Depression, depressiver Vulnerabilität und selektiver Aufmerksamkeit gegeben. Durch eine Betrachtung kognitionspsychologischer Ansätze und Forschungsergebnisse zu selektiver Aufmerksamkeit wird im folgenden eine Klärung dieser heterogenen Ergebnisse versucht.

Im empirischen Teil der Arbeit wird zunächst ein neu entwickeltes experimentelles Design vorgestellt, das speziell der Erfassung inhibitorischer Prozesse in der Verarbeitung affektiver Information dienen soll. Dem folgt die Darstellung einer Serie von Studien, deren Ergebnisse die Auffassung stützen, daß die Beachtung inhibitorischer Prozesse in der Untersuchung von Depression und selektiver Aufmerksamkeit wichtige Hinweise auf Vulnerabilitätsfaktoren liefert. Eine Integration der erhaltenen Ergebnisse mit weiteren Befunden der kognitiven Depressionsforschung erlaubt schließlich im letzten Kapitel die Aufstellung eines Vulnerabilitätsmodells, in dem valenzspezifische Inhibitionsdefizite eine zentrale Rolle einnehmen.

2000, 344 Seiten, ISBN 3-934252-83-4
Preis: 20,- Euro


Pabst Science Publishers
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D-49525 Lengerich

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