O. Diedrich
Die kortikale Kontrolle emotionaler Reaktionen

Die meisten Emotionstheorien gehen davon aus, daß die Entstehung einer Emotion mit der Initiierung von Annäherungs- oder Vermeidungsverhalten verbunden ist. Demgegenüber lehrt die eigene Erfahrung, daß man beispielsweise Angst empfinden kann, ohne zwangsläufig vor dem angstauslösenden Objekt davonzulaufen. Es muß daher eine Kontrolle emotionaler Reaktionen geben: Emotionale Reize initiieren automatisch physiologische und motorische Reaktionen; gleichzeitig werden jedoch Prozesse aktiviert, die vor allem der Hemmung der motorischen Reaktion dienen.

Aus neurophysiologischen Überlegungen und aktuellen Befunden wird die Hypothese abgeleitet, daß diese Hemmungsprozesse über die Deaktivierung motorischer Rindenareale im Gehirn vermittelt sind. Diese Deaktivierung sollte sich im EEG auf emotionale Reize in Form einer langsamen positiven Welle über dem Frontalkortex zeigen und mit verminderten elektrokortikalen und motorischen Reaktionen auf Testreize einhergehen. Es werden zwei Experimente beschrieben, in denen das EEG auf emotionale Bildreize erfaßt wird. Während der Betrachtung der Bilder werden Schreckreize dargeboten. Die elektrokortikale Reaktion auf diese Reize kann kortikale Deaktivierung belegen; der ebenfalls ausgelöste Lidschlagreflex dient als Maß für motorische Hemmung.

Die frontale positive Welle im EEG tritt wie erwartet auf. Eine verminderte elektrokortikale Reaktion auf die Schreckreize zeigt, daß diese Positivierung kortikale Deaktivierung indiziert. Eine motorische Hemmung kann jedoch nicht nachgewiesen werden. Aus den Ergebnissen wird gefolgert, daß das EEG auf emotionale Reize die Regulation der kortikalen Erregungslage, jedoch nicht motorische Hemmung widerspiegelt.

 

1996, 240 Seiten, ISBN 3-931660-25-7, Preis:20,- Euro
Pabst Science Publishers, Lengerich



>>> Bei E-Mail-Bestellungen bitte immer Name und Anschrift
des Absenders angeben. Vielen Dank.