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Übergewicht und Hyperlipidämie verlängern das Leben


Die Bedeutung der Ernährung bei Hämodialysepatienten ist hinreichend bekannt. Inwieweit Risikofaktoren gleichzeitig die Überlebenschance positiv beeinflussen können, stellt Dr. Erwin H. Fleischmann von der Universitätsklinik Jackson, Mississippi, USA in einer Studie vor: Übergewicht und Hyperlipidämie sind in der Normalbevölkerung gefürchtete Risiken, bei Dialysepatienten verlängern sie jedoch das Leben.

Hintergrund: Die erhöhte Mortalitätsrate bei terminaler Niereninsuffizienz wird hauptsächlich auf das vermehrte Auftreten von kardiovaskulären Komplikationen zurückgeführt.Übergewicht, Hypertension und Hyperlipidämie sind heute anerkannte Risikofaktoren für die Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen in der Normalbevölkerung. Paradoxerweise scheinen aber genau diese Faktoren bei Dialysepatienten mit einem Überlebensvorteil zu korrelieren. Eine Erklärung hierfür könnte der bessere Ernährungszustand sein.

Methoden: Zur Objektivierung dieser These wurden prospektiv über den Zeitraum eines Jahres Daten zu Nüchterblutfettwerten, alimentären Markern, zum Blutdruck und Bode mass index (BMI) von 453 Dialysepatienten gesammelt, ausgewertet und zur Mortalitätsrate nach einem Jahr in Beziehung gesetzt.

Ergebnisse: Es fand sich unter den Patienten ein durchschnittlicher BMI von 26,7 ± 0,3; wobei 39% der Patienten übergewichtig (BMI > 27,5) und 12% untergewichtig (BMI< 20) waren.

Unabhängig von einer antihypertensiven Medikation wiesen 31 % der Studienteilnehmer einen erhöhten Blutdruck auf (MAP > 114 mmHg).

Für 70% der Patienten konnte ein im Normalbereich liegender Cholesterinwert erhoben werden (< 200 mg/dl); 17% besassen einen leicht erhöhten (200 - 240) und 13% einen deutlich erhöhten Wert. ( > 240).

Kt/V wurde von 388 Patienten ermittelt, der Mittelwert betrug 1,46 ± 0,02, wobei mit steigendem BMI ein Absinken des Kt/V - Wertes auffiel.

Mit niedrigeren Überlebensraten bei geringem BMI und besten Überlebensraten bei höheren BMI Werten zeigte sich ein entscheidender Einfluss des BMI auf das kumulative Sterberisiko. Der gleiche Zusammenhang fand sich auch beim Blutdruck. Die Höhe der Cholesterinwerte korrelierte allerdings auf nichtsignifikante Weise.

In der statistischen Risikoanalyse sind Anstiege der Variablen Prealbumin, BMI, MAP mit einer signifikanten Reduzierung des relativen Sterberisikos verbunden. Die Rolle der Fette ist diesbezüglich nicht so aussagekräftig.

Durch die Bestimmung der drei biochemischen Marker für den Ernährungszustand Albumin, Prealbumin und Kreatinin kann man nun ableiten, inwieweit höhere Werte für BMI, Fette und Blutdruck mit einem verbesserten Ernährungsstatus korrelieren.

Es zeigte sich folgender Zusammenhang: Serumprealbumin und Serumkreatinin nahmen im Bereich der oberen BMI-Werte signifikant zu, die Serumalbuminwerte zeigten keine Beziehung zum BMI.

Beim Cholesterin liessen sich für alle drei Marker positive Korrelationen bei höheren Werten finden. Im Gegensatz dazu konnten für den Blutdruck solche Zusammenhängen generell nicht dargestellt werden.

Bereits vorliegende Studien identifizieren Prealbumin als besonders empfindlichen Marker für die Ernährungssituation, auch in dieser Arbeit fielen die Prealbuminwerte durchgängig hoch aus. Deshalb wurde nochmals der Zusammenhang zwischen speziell diesem Marker und BMI, Cholesterin und MAP mit folgendem Ergebnis untersucht; positive Korrelation mit BMI und besonders Cholesterin, jedoch keine Beziehung zum MAP.


Schlussfolgerung: Wenn auch der Zusammenhang zwischen Risikofaktoren und Mortalität bei Hämodialysepatienten ein sehr komplexes Thema bleibt, gelingt es doch, mit dieser Studie die Beobachtung zu unterstützen, daß Übergewicht und Hyperlipidämie mit einem Überlebensvorteil verbunden sind, ein erhöhter Blutdruck jedoch nicht. Der verbesserte Ernährungszustand ist eine Erklärung hierfür. Forschungsbedarf über die Interaktionen unterschiedlicher Parameter besteht weiter. Der endgültige Beweis fehlt, aber eine Verbesserung der Prognose für Dialysepatienten durch eine Korrektur der Risikofaktoren bei gleichzeitiger Verbesserung der Ernährungssituation ist wahrscheinlich.

(E.H. Fleischmann et al., 2001, ASAIO-Journal, 74-81)

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