Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung 3. Ausgabe 1998

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Hämodynamik und Sauerstofftransport unter Volumentherapie mit verschiedenen Volumenersatzmitteln bei kritisch Kranken mit hämodynamischer Instabilität intraoperativ und während der Intensivtherapie
K. Hankeln, H. Wenk

Die Erkenntnisse, von Pflüger 1872 publiziert, daß Organe im Schock eher Flow als Blutdruck brauchen, gerieten mehr als ein halbes Jahrhundert in Vergessenheit und wurden erst durch die Untersuchungen von Shoemaker 1973 wiederentdeckt. Shoemaker wies nach, daß überlebende Patienten nach großen chirurgischen Eingriffen höhere Werte für flowbezogene Variablen wie VO2 und DO2 hatten als Nichtüberlebende. Diese Variablen können somit als "Prognostic Indices" betrachtet werden.

Es gibt Gründe dafür, die Therapie darauf auszurichten, diese Therapieziele so schnell als möglich zu erreichen. Eine der adäquaten Therapieformen hierzu ist die Volumentherapie. Diese lehnt sich eng an die Entdeckung Ernst von Bergmanns 1878 an, daß die Prognose für das Überleben im Schock weniger durch den Verlust an Erythrozyten als durch den Mangel an zirkulierendem Blutvolumen bedingt ist. Als Konsequenz hieraus wurde von Klinikern wie Sander Volumenersatz durch Kristalloide inauguriert und nach der Dextran-Ära (seit 1944) schließlich die Hydroxyethylstärke durch Thomson und Walton 1962 in die Volumentherapie eingeführt.

Obwohl weitgehende Übereinstimmung über die Präferenz von kolloidalen Volumenersatzmitteln gegenüber der Anwendung von Kristalloiden besteht, wurde dieses Thema lange Zeit kontrovers diskutiert. Eigene Untersuchungen beim Einsatz von kolloidalen Volumenersatzmitteln und Kristalloiden im Intensivbereich für verschiedene Volumenersatzmittel: Humanalbumin 20%, Humanalbumin 5%, HAES 10%, HAES 6% werden in der Übersichtsarbeit vorgestellt und durch Untersuchungen im operativen Bereich ergänzt. In Phasen der relativen Hypovolämie wurden die jeweiligen Therapeutika in den erforderlichen Mengen bis zum Erreichen eines wedge Drucks von 18 mmHg verabreicht und die Werte für Hämodynamik und Sauerstofftransport bestimmt. Während Kristalloide die Zielwerte nicht verbesserten, führte die Anwendung der kolloidalen Volumenersatzmittel zu signifikanten Verbesserungen der Zielwerte Herzminutenvolumen/CO, Sauerstoffverbrauch/VO2 und Sauerstoffverfügbarkeit/DO2. Diese Effekte waren bei Anwendung der 10% Hydroxyethylstärkelösung am ausgeprägtesten.

Schlüsselwörter: Volumenersatz, Blutvolumen, Geschichte, intraoperativer V.V. während der Intensivtherapie, Hydroxyethylstärke, Kristalloide, Shoemaker Modell, Gerinnung, "Bremer Schema", "Prognostic Indices"

Dr. K. Hankeln
Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin
Zentralkrankenhaus Bremen-Nord
Hammersbecker Str. 228
D-28755 Bremen



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