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3. Ausgabe 1996 |
Neue Konzepte zur Analgosedierung: effektiver und kostengünstiger
I. Roth
Auf Intensivstationen wurden bis vor wenigen Jahren zur
Analgosedierung "fixe Kombinationen " von Analgetikum
und Sedativum angewendet, die in langen Beatmungspflichtigkeiten
mit erhöhter Pneumonieinzidenz resultierten. Deshalb sind heute
neue, rationelle Analgosedierungsregime mit besserer
Kosten/Nutzen-Relation erforderlich. Auf dem 6. Internationalen
Intensivmedizinischen Symposium standen in Bremen im Seminar
"Mein Konzept zur Analgosedierung - Theorie und klinische
Umsetzung" neue Tendenzen zur Diskussion.
Kriterien für Sedierungskonzepte
Die unterschiedliche Auswahl der Medikamente ist in einem heterogenen Patientenkollektiv, schwankenden Therapieverläufen und variierenden Pharmakokinetiken und -dynamiken begründet. Aber auch die Erfahrungswerte und Präferenzen des Therapeuten, unterschiedliche Therapieziele und das individuelle Ansprechen der Patienten führen dazu, daß die Anästhesisten weitgehend auf empirisch begründete Therapieschemata bezüglich Auswahl, Dosierung und Applikationsmodus der eingesetzten Pharmaka setzen. Oberste Kriterien bei der Auswahl der Medikamente sind vor allem die vegetative Entlastung und Stabilisierung des Patienten, wodurch die zentralen und peripheren Organe geschützt und die arterielle Blutversorgung des Gehirns gewährleistet wird. Deshalb sind insbesondere kurz wirksame Substanzen, die durch schnelles An- und Abfluten ein schnelles Aufwachen ermöglichen und über eine gute Steuerbarkeit verfügen, für die Langzeitsedierung sinnvoll.
Wichtige Kriterien für die Analgosedierung sind nach Dr. Joachim Hommel, Chefarzt an der Helios Klinik in Gotha, das Regime, das Monitoring und die Steuer- und Titrierbarkeit der Einzelkomponenten. Er selbst praktizierte eine "balancierte Analgosedierung von Intensivpatienten" und kombiniert hierfür verschiedene Medikamente:
Zu Behandlungsbeginn setzt er als Basis Clonidin zur aktiven
Steuerung der vegetativen Dämpfung ein. Darauf aufbauend werden
Opiate wie Sufentanil in relativ niedrigen Dosen oder
Lokalanästhetika zur Schmerzbehandlung verabreicht. Methohexital
ist sein Mittel der Wahl zur effektiven Sedierung des Patienten.
Durch dieses Behandlungskonzept würden psychische und physische
Abhängigkeits- und Entzugsreaktionen nach der Extubation
vermindert, so Hommel. Methohexital sei aufgrund seiner guten
Titrier- und Steuerbarkeit für die Bewußtseinsausschaltung
besonders geeignet. Als Anxiolytikum oder als "add-on"
zu einer bereits andauernden Methohexital-Gabe setzt er
Benzodiazepine wie z.B. Midazolam ein.
Anforderungen an die Analgosedierung bei Schädel-Hirn-Traumen
Die Prognose neurotraumatologischer Patienten z.B mit Schädel-Hirn-Traumata hängt stark von den primären Schädigungen wie irreversiblen Läsionen ab und von der Möglichkeit, sekundäre Hirnschäden verhindern zu können. Hierbei nehme die kontinuierliche Analgosedierung einen besonderen Platz ein, so Dr. Peter Zaar vom Klinikum Nürnberg-Süd. Sie sei die Voraussetzung für andere intensivmedizinische Therapien zur Entlastung der zerebralen Situation.
Die eingesetzten Substanzen können außerdem den zerebralen
Stoffwechsel und Blutfluß und die Ischämietoleranz des
Hirngewebes positiv beeinflussen. Die Medikamente sollten neben
einer linearen Dosis-Wirkungsbeziehung antikonvulsive
Eigenschaften besitzen und den intrakraniellen Druck (ICP) sowie
den Sauerstoffverbrauch senken. Diese allgemeinen und speziellen
Anforderungen kann kein Medikament allein erfüllen, so daß
normalerweise immer eine Kombination mehrerer Substanzen
eingesetzt wird. Zaar verwendet bei neurotraumatisierten
Patienten ein Analgosedierungsschema mit Methohexital. Dieses
Medikament kann nach einer Bolusgabe nicht nur eine hypnotische
Wirkung hervorrufen, sondern auch direkt den Hirnmetabolismus und
den ICP senken und die Ischämie-Toleranz steigern. Durch die
Kombination mit Flunitrazepam in geringen Dosen, Fentanyl und
Clonidin kann er eine steuerbare Hypnose bzw.
Hirnmetabolismusdämpfung und eine adäquate Analgesie und
vegetative Abschirmung erreichen. Zaar verwendet üblicherweise
Methohexital in der Dosierung von 100 bis 300 mg/Stunde,
Flunitrazepam 4 x 1 bis 2 mg, Fentanyl mit 0,05 bis 0,2 mg/Stunde
und Clonidin mit 0,03 bis 0,15 mg/Stunde.
Steuerung der Sedierungstiefe ermöglicht diagnostisches
Fenster
Für neurologische Untersuchungen erreicht man ein diagnostisches Fenster von 15-120 min. durch das Absetzen von Fentanyl und Methohexital. Insbesondere während der Aufwachphase kann durch ein besonders intensives Monitoring der Patienten schnell auf Exazerbationen reagiert werden. Eine gezielte Steuerung und Titrierbarkeit der Analgosedierung erfordert die objektive Bewertung der Sedierungstiefe, die regelmäßig erfaßt und dokumentiert werden sollte. Die objektiven Parameter wie in der Ramsay-Score müssen einfach und vor allem reproduzierbar sein, um eine passive Beschreibung und aktive Steuerung der Analgosedierung, z.B. durch die Dosierung von Methohexital, zu ermöglichen.
Eine rationale Sedierung über die Kombination der eingesetzten Medikamente kann zentrale und periphere Organe schützen und eine Ischämie des Gehirnes verhindern, betonte Dr. Rolf Buhl, Oberarzt an der Universitätsklinik in Düsseldorf, in seinem Vortrag. Ein Analgosedierungskonzept, bei dem Methohexital eingesetzt wird, wird den Anforderungen wie vegetativer Entlastung und Stabilisierung des Patienten, guter Steuerbarkeit und wenig Folgewirkungen gerecht. Durch die Eigenschaften der eingesetzten Anästhetika können auch die Behandlungskosten des Patienten gesenkt werden. Dieser Aspekt ist besonders vor dem Hintergrund der Budgetierung und der damit verbundenen Konkurrenzfähigkeit der heutigen Intensivstationen wichtig.
Keywords
Analgosedierung, Methohexital
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