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2. Ausgabe 1996 |
Chirurgische Akutversorgung Schwerbrandverletzter
F. Bisgwa, D. Pitzler, B.- D. Partecke
In der diagnostischen und therapeutischen Kette aller Maßnahmen zur Behandlung von Brandverletzungen stellt die Erstversorgung eines der wichtigsten Glieder dar. Insbesondere bei Schwerbrandverletzten werden in der Initialphase die entscheidenden Weichen für den späteren Verlauf gestellt.
Die Behandlung Schwerbrandverletzter erfolgt sowohl im Zentrum
des BG-Unfallkrankenhauses als auch in dem von uns plastisch-
chirurgisch betreuten Kinderkrankenhaus Wilhelmstift
grundsätzlich im Team mit den Kollegen der Anästhesie und
Intensivmedizin bzw. pädiatrischen Intensivmedizin.
Klinische Erstmaßnahmen
Alle Patienten mit Brandverletzungen größerer Tiefe und Ausdehnung werden im Erstversorgungs-Bad für Schwerbrandverletzte primär versorgt.
Im Idealfall ist bereits am Unfallort durch die Erstretter mit der Kaltwasserbehandlung begonnen worden.
Im BV- Bad werden noch vorhandene Kleiderreste entfernt.
Es werden Abstriche an der Körperoberfläche zur Bestimmung des vorbestehenden Keimspektrums entnommen.
Es erfolgt ein Ganzkörperduschbad, wobei auch alle unverbrannten Areale mit antiseptischer Waschlotion intensiv gereinigt werden.
Bei ausgedehnten Verbrennungen erfolgt die Entfernung des gesamten Körperhaares mit Ausnahme von Augenbrauen und Wimpern.
Im Bereich der Verbrennungswunden wird ein sorgfältiges schonendes Debridement mit Abtragung aller Blasen und Blasenreste sowie Entfernung aller Ruß- und Schmutzpartikel durchgeführt.
Grundsätzlich ist bei jedem Brandverletzten der Tetanus-
Schutz zu prüfen, ggf. zu beginnen oder aufzufrischen.
Diagnostik
Schwerpunkt der chirurgischen Diagnostik ist die Bestimmung von Verbrennungsausdehnung und -tiefe.
Zur Bestimmung der Verbrennungsausdehnung dient für alle Altersstufen als schnelles orientierendes Hilfsmittel die Handflächenregel : Die Fläche, die von einer Patientenhand, d.h. Handfläche einschließlich Fingergreifseiten, bedeckt wird, kann grob- orientierend als 1 % der Körperoberfläche bemessen werden.
Weit schwieriger ist die Bestimmung der Verbrennungstiefe.
Generell ist die herkömmliche Einteilung in drei Verbrennungsgrade nicht ausreichend zur differenzierten Erfassung der Befunde.
Entscheidend für den gesamten weiteren Heilungsverlauf ist zu erkennen, ob konservativ oder operativ vorgegangen werden muß :
Konservativ zu behandeln sind alle erstgradigen und oberflächlich - dermal- zweitgradigen ( II°A ) Läsionen.
Operativ sollten alle tief- dermal- zweitgradigen ( II°B )
und drittgradigen ( III° ) Läsionen versorgt werden.
Primär- invasive Maßnahmen
Bei eindeutig drittgradigen ( III° ) zirkulären Verbrennungen mit Durchblutungsstörungen der abhängigen Körperpartien ist primär eine Escharotomie durchzuführen.
Reicht diese Maßnahme zur Behebung der Durchblutungsstörung nicht aus, muß der Eingriff im Sinne einer Fasziotomie erweitert werden.
Bei allen tieferen Verbrennungen im Kopf-Halsbereich wird die frühzeitige Tracheotomie durchgeführt.
Vollständig verbrannte nekrotische Extremitätenabschnitte sollten primär unter offener Stumpfbildung amputiert werden.
Zusatzverletzungen wie z.B. instabile Frakturen sollten gerade im Bereich von zweit- und drittgradig- verbrannten Körperabschnitten schnellstmöglich stabilisiert werden.
Eine Verbrennungswunde wird nie wieder so keimarm wie in den ersten Stunden nach Unfallereignis.
Die beste Behandlung aller tief- zweitgradigen und drittgradigen Verbrennungen ist die frühzeitige Nekrektomie der verbrannten Areale und definitive Defektdeckung durch autologe Spalthauttransplantation.
Als unabdingbare Voraussetzung zur Erzielung eines optimalen Therapieverlaufs und entsprechenden Behandlungsergebnisses erachten wir die intensive partnerschaftliche Zusammenarbeit des mit der Behandlung Schwerbrandverletzter betrauten Teams.
Keywords
Intensivbehandlung, Schwerbrandverletzte, Akutversorgung
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