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2. Ausgabe 1996 |
Die elektronische "Fieberkurve": Geht es auch einfacher?
K. Hankeln, B. Ebens
Mehr als ein Jahrhundert nach der Einführung des Sphygmomanometers zur Messung eines einzigen Parameters des Blutdrucks, hat sich auf den Intensivstationen eine Revolution ereignet. Alle Parameter, die früher nur im Tierlabor gemessen werden konnten, sind der Registrierung und Auswertung beim Patienten auf der Intensivstation zugänglich. Dies bedeutet aber auch gleichzeitig eine immense Ausweitung des Aufwandes für die Dokumentation. Die Datenflut, die durch die heutigen Meßmöglichkeiten und die Dokumentationspflicht verursacht wird, kann mit den gegenwärtigen Dokumentationsmethoden kaum noch bewältigt werden.
Es gibt Schätzungen, daß mindestens ein Drittel der Arbeitszeit des Pflegepersonals damit verschwendet wird, die Blutdruckwerte, Daten der Infusionstechnik, Bilanzdaten wie Infusionen, Drainageverluste, Urinausscheidung etc. abzulesen und wie vor 50 Jahren umständlich mit Kugelschreiber in eine "Fieberkurve" einzutragen. Diese Zeit könnte besser für den eigentlichen Pflegeauftrag genutzt werden. Analog dazu ist auch der Aufwand der ärztlichen Seite zur Dokumentation primär wichtiger medizinischer Daten, wie beispielsweise Laborwerte aus dem Zentrallabor, Meßwerte des invasiven und metabolischen Monitorings (Swan-Ganz Katheter), einzuschätzen. Sehr häufig leidet durch diese Form der Aufbereitung auch die Übersichtlichkeit.
Mit dem Verfahren IC DATA, einem automatisierten Datenmanagement für den Intensivbereich, haben wir unter weitestgehender Anwendung von preiswerten Standardkomponenten ein erschwingliches Programmpaket für die Intensivstation realisiert. Unter Anwendung eines Standard PC's (IBM kompatibel, Pentium Processor) werden automatisch alle Meßwerte aus dem Standardmonitoring, Blutdrucke, Beatmungs- und Ventilationsdaten bis zur computerunterstützten Erstellung der Bilanz aufbereitet. Erforderliche Zusatzkomponenten sind ein Vierkanal-Digiboard , Windows NT. Die übrige Software wurde in unserem Hause entwickelt (Ebens 1995).
Dieses Programm bedient EXCEL oder ACCESS Datenbanken. Unsere Erfahrungen bei der Anwendung von Standard PC's zur Verarbeitung medizinischer Meßwerte reichen bis 1978 mit der erstmaligen Anwendung eines Commodore PET zur automatischen Erfassung hämo-dynamischer Daten zurück.
Bei einem typischen Intensivpatienten, bei dem über 14 Tage täglich ein zweiseitiger Ausdruck des Patientenjournals beabsichtigt, sowie umfangreiche elektronische Speicherung der zusätzlichen Laborparameter verwirklicht sind, benötigt die Datenspeicherung ca. 10 MB Speicherkapazität. Für wissenschaftliche Auswertungen können die Daten durch Windows und DDE fähige Applikationen wie EXCEL oder ACCESS ausgewertet werden. Die Vorteile der Nutzung von Standardkomponenten bestehen weiter darin, daß die Daten in einem klinischen Informationssystem in jeder erdenklichen Weise weiterverarbeitet werden können. Beispielsweise sind alle Informationen (Budgetierung!) über Medikamente und individuelle Verbräuche im Rahmen der Behandlung verfügbar. Gegenwärtig ist das Programm in klinischer Testung. Die zeitsparende Führung einer Fieberkurve ist auf diese Weise on-line möglich und kann neben den geschilderten sonstigen Vorteilen als wertvoller Baustein zur Verbesserung der Patientenversorgung angesehen werden, da der Zeitaufwand für die Dokumentation in dramatischer Weise vermindert wird.
Keywords
Intensivmedizin, Dokumentation, EDV, IC DATA
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