Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung 2. Ausgabe 1996


Praktische Erfahrungen mit einer zentralen Aufnahmestation aus Sicht der Geschäftsführung

O. Foit

Am Beispiel eines kommunalen Krankenhauses mit 832 Betten, 12 Fach- und 3 Belegabteilungen wird dargestellt, welche  Überlegungen zur Einrichtung einer zentralen Notaufnahme (ZNA) geführt haben und welche Erfahrungen damit bislang gesammelt werden konnten.

Die fehlende ZNA in einem Kreiskrankenhaus mit jährlich fast 25.000 Patienten, von denen ca. 32 % als Notfälle in das Krankenhaus kommen, führt zu beträchtlichen ablauforganisatorischen Unzulänglichkeiten:

- Im Extremfall muß grundsätzlich jede Station Kapazitäten vorhalten, um die vom Rettungsdienst eingelieferten Patienten abklären zu können.

- Wenn im Krankenhaus keine Koordinationsstelle vorhanden ist, die dem Rettungsdienst laufend Auskunft  über den Belegungsstand der Stationen gibt, muß der Rettungsdienst diese Funktion im Wege der Abfrage mitübernehmen. Dadurch kann wertvolle Behandlungszeit für den Patienten verlorengehen.

- Die Abfragen des Rettungsdienstes auf den Stationen stellen Arbeitsunterbrechungen dar, die die Effektivität des Arbeitseinsatzes stören.

- Kann vom Rettungsdienst eine Station nicht rechtzeitig kontaktiert werden, beginnt beim Eintreffen ein "Patiententourismus" im Hause, weil der Rettungsdienst von einer voll belegten Station zur nächsten geschickt wird.

- Bei lebensbedrohlich erkrankten Patienten erhöhen logistische Unzulänglichkeiten (Wartezeiten vor den Aufzügen) das Risiko für den Patienten.

- Da keine Station gesondertes Personal für die Versorgung von Notaufnahmen bereithält, werden die begonnenen Arbeitsprozesse auf der Station zur Unzufriedenheit des gerade behandelten Patienten und des  ärztlichen bzw. pflegerischen Personals unterbrochen. Qualitätsmängel und  Überforderungsgefühle sind die Folge.

- Bei Begleitung des Patienten zu diversen diagnostischen Prozeduren wird der Station zusätzliche Kapazität genommen. Die Wegeführungen zwischen den Stationen und Funktionsstellen sind in der Regel suboptimal.

- Der Patient, der das Gesamtprocedere verfolgen kann, wird nicht den Eindruck professioneller Handhabung seiner Notfallbehandlung mit nach Hause nehmen.

- Die Mitarbeiter erleiden Motivationsverluste und beklagen die Probleme der Notfallversorgung, die "einfach" behoben werden können.

Die Beseitigung der aufgeführten Probleme durch Schaffung einer ZNA mit Liegendvorfahrt hat folgende Konsequenzen:

- Die ZNA dient als Koordinationsstelle für die Belegung im Hause und hat einen jederzeitigen  Überblick  über Vakanzen auf den Stationen.

- In der ZNA findet eine Sofortbehandlung statt. "Patiententourismus" im Hause durch den Rettungsdienst entfällt.

- Im Falle weiterreichenden Facharztbehandlungsbedarfs kommt der Arzt zum Patienten - nicht umgekehrt (mit hohem Aufwand).

- Geringfügige Wartezeiten werden durch Aufmerksamkeiten gegenüber dem Patienten  überbrückt.

- Ein bedarfsorientierter, flexibler Personaleinsatz zur Abdeckung von Belastungsspitzen ist durch Personalabruf aus schwach belasteten Bereichen möglich.

- Eine kompetente und zuverlässige Sofort-Abklärung bzw. -Behandlung in der ZNA ist möglich.

- Die Konzentration der Belegungssteuerung bei Notfallaufnahmen durch die ZNA wird den Zielsetzungen der Unternehmensleitung leichter gerecht als eine dezentralisierte Steuerung durch jede einzelne Station.

- EDV-gestützte Patientenverwaltung in der ZNA bringt Rationalisierungseffekte mit sich.

- Durch den Einsatz erfahrener  Ärzte in der ZNA läßt sich im Vergleich zur stationären Abklärung erheblich auf die Personalbindung und den medizinischen Bedarf einwirken.

- Der Ausweis eines professionellen Standards bei der Notfallversorgung verbessert den Marktanteil, da die ZNA vorrangig vor dem allgemein-notärztlichen Dienst der niedergelassenen  Ärzte aufgesucht wird.

Die Einrichtung einer ZNA führt zur Beseitigung ablauforganisatorischer Probleme, steigert die Mitarbeiter- und Patientenzufriedenheit, läßt sich betriebskostenneutral umsetzen und zieht im Routinebetrieb Kostenvorteile nach sich.

Keywords
zentrale Notaufnahme, Erfahrungen

Anschrift

Dr. med. O. Foit
Geschäftsführer
Klinikum Lippe-Detmold GmbH
Röntgenstr. 18
D-32756 Detmold

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