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2. Ausgabe 1996 |
Konzepte und Strategien für das Krankenhaus-Management
W. Damkowski
Innovationen des Krankenhaus-Managements sind gegenwärtig
dadurch gekennzeichnet, daß sich einerseits
krankenhausspezifische Veränderungsansätze herausbilden,
andererseits aktuelle Ansätze zur Reorganisation der
Führungsorganisation in der privatwirtschaftlichen Unternehmung
oder auch zur Reform des öffentlichen Sektors (Stichworte:
Public Management, Neue Steuerungsmodelle) auf das Krankenhaus
übertragen werden. Zum Teil beeinflussen sich auch
krankenhausspezifische Konzepte und allgemeine
Innovationsansätze gegenseitig.
1. Krankenhausspezifische, insbesondere
patientenorientierte Ansätze
1.1. Das Gesundheitsstrukturgesetz und neue Budgetierungsformen
Die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen stellen für das
Krankenhaus-Management zusätzliche Herausforderungen und
Anforderungen, aber auch Chancen dar. Insbesondere in Form von
Fallpauschalen, Sonderentgelten, prospektiven und flexiblen
Budgets, Abteilungsbudgets, vor- und nachstationärer Behandlung
und ambulantem Operieren werden einerseits der
Wirtschaftlichkeitsrahmen enger gezogen, die Kostenorientierung
strikter durchgesetzt und neue Formen des Rechnungswesens
(Kostenrechnung, Kosten- und Leistungsrechnung, Controlling)
notwendig gemacht; andererseits werden dem Krankenhaus hierdurch
auch zusätzliche Flexibilitäten, Entscheidungsspielräume und
Kompetenzen eingeräumt.
1.2. Qualitätsmanagement
Ein patientenorientiertes Qualitätsmanagement ist bereits
rechtlich vorgegeben; es ist aber auch darüber hinaus für das
Krankenhaus künftig ein unverzichtbarer Innovationsschritt, wenn
es nicht im Wettbewerb mit anderen Einrichtungen hoffnungslos
zurückfallen will. Daher wird es nötig werden, den
Behandlungsprozeß in den Abteilungen und Stationen künftig noch
wesentlich rationaler und patientenbezogener zu gestalten im
Sinne der Erarbeitung von allgemeinen und konkreten
Qualitätszielen, der Ableitung von entsprechenden
Qualitätsstandards und -indikatoren und einer wirksamen
Qualitätskontrolle. Die notwendige Konsequenz wird eine
Abwendung von der patientenunfreundlichen und auch ineffizienten
Funktionspflege hin zu ganzheitlichen Behandlungs- und
Organisationsformen sein, insbesondere auch in Gestalt von Formen
der Teamorganisation auf den Stationen, in die auch das
ärztliche Personal integriert ist.
2. Allgemeine für das Krankenhaus-Management nutzbare
Innovationsansätze
Diese Ansätze sind entlehnt aus der neueren Theorie und
Praxis der privatwirtschaftlichen Unternehmung, aus
Innovationsformen, wie sie für den öffentlichen Sektor -
seit einiger Zeit auch in der Bundesrepublik - erprobt werden. Es
handelt sich dabei vor allem um folgende Innovationselemente
(vgl. hierzu Damkowski/Pecht, Public Management, 1995,
S.271-275):
2.1. Dezentralisierung, Bildung von Verantwortungs- und Ergebniszentren
Heute ist das Krankenhaus in seiner Aufbauorganisation noch stark hierarchisch gegliedert: Dies führt zu aufwendigen Entscheidungsprozessen und Motivationsverlusten bei den Mitarbeitern. Deshalb setzen zur Abflachung von Hierarchien und zur Überleitung einer bürokratischen in eine kooperativ-teamartige Arbeitsstruktur neuere Innovationskonzepte auf das ebenso einfache wie grundlegende Prinzip der Dezentralisierung, d.h. auf die Verselbständigung von weitgehend weisungsunabhängigen, aber auch ergebnisverantwortlichen Leistungszentren.
Beispiel für das Krankenhaus: Dezentralisierung von
fachlichen und Budgetkompetenzen des Direktoriums auf Abteilungen
und Stationen, Verselbständigung von Abteilungen hin zu
Ergebniszentren, Aufbau von Teamstrukturen auf den Stationen, in
die das ärztliche Personal integriert ist.
2.2 Kontaktmanagement bzw. Management by Objectives
Dieser Managementansatz setzt verselbständigte Subeinheiten voraus und will diese durch Abschluß von Zielvereinbarungen (Kontrakten) zwischen Organisationsleitung und den Subeinheiten steuern. Die Zielvereinbarungen legen in einem partizipativen Verfahren Arbeits- und Budgetziele für eine bestimmte Periode fest.
Beispiel für das Krankenhaus: Es werden zwischen Direktorium
und Fachabteilungen patientenorientierte Qualitätsziele (z.B.
Heilerfolge, Patientenzufriedenheit) und Budgetziele (globale
Ausgabenzuweisungen, Einnahmeziele) vereinbart und kontrolliert.
2.3. Management by Competition
Diesem Grundsatz liegt die Idee zugrunde, zwischen verselbständigten Organisationseinheiten gewissermaßen einen organisationsinternen Wettbewerb, eine marktähnliche Situation mit z.B. gegenseitiger Leistungsverrechnung und Leistungsvergleichen herzustellen. Hierdurch sollen positive Effekte bezüglich Kostenbewußtsein, Leistungsqualität, Kundenorientierung sowie Mitarbeitermotivation erreicht werden.
Beispiel für das Krankenhaus: Es werden unterschiedliche,
aber vergleichbare Abteilungen bzw. Kliniken untereinander in
Wettbewerb gesetzt mit dem Ziel, Kosten- und Leistungsvergleiche
im Hinblick auf bestimmte Qualitäts- und Effizienzziele
vorzunehmen.
2.4. Controlling
Controlling läßt sich zusammenfassend als Assistenzfunktion für das Krankenhaus-Management bezeichnen, das auf der zentralen Managementebene als strategisches und auf der dezentralen Management-ebene als operatives Controlling auszugestalten ist.
Beispiel für das Krankenhaus: Es soll als operatives
Controlling gleichermaßen für alle Kliniken eines Krankenhauses
ein neues Rechnungswesen mit Produktbeschreibungen und einer
Kosten- und Leistungsrechnung installiert werden.
2.5. Corporale Identity (CI) Leitbild und Profilentwicklung
Das CI-Konzept hat zum Ziel, für eine Organisation eine - z.B. gegenüber Konkurrenten und Kunden - unverwechselbare Identität zu entwickeln - ein Leitbild, ein besonderes Profil, mit dem sich die Mitarbeiter identifizieren können und durch das die Organisation beim Kunden eindeutig erkennbar wird. Daraus folgt: CI hat eine Doppelfunktion, mit ihr sollen nach innen Impulse für die Mitarbeitermotivation gegeben und nach außen eine spezifische Marketingstrategie realisiert werden.
Beispiel für das Krankenhaus: Ein Krankenhaus entwickelt in
einem partizipativen Prozeß zusammen mit den Mitarbeitern für
sich ein spezifisches Leitbild, durch das die besondere
Patientenorientierung und eine besondere Leistungspalette
herausgestellt und im Rahmen einer neuen Patientenzeitung
öffentlich gemacht werden.
2.6. Innovationsstrategie: Organisations- und Personalentwicklung
Organisations- und Personalentwicklung (OE, PE) als Strategien der Entwicklung und Umsetzung von Innovationen sind zwar aufwendig, aber auch längerfristig wirksamer und erfolgreicher als traditionelle, kurzgreifende Änderungsansätze mancher Unternehmensberatungen. Zu den Grundelementen von OE und PE gehören:
- das Verständnis der Innovation als längerfristiger, rückgekoppelter Prozeß; die Sicht der Organisationsänderung als lernende Organisation und als Lernen aller Organisationsmitarbeiter durch Änderung von Verhaltens- und Kommunikationsformen;
- als Strukturelement die Einführung von Partizipations-, Kooperations- und Gruppenelementen;
- die systematische Einbeziehung der Qualifikation von Mitarbeitern durch Fort- und Weiterbildung;
- die besondere Rolle des externen Beraters (change agent) im OE-Prozeß, der teils Prozeßhelfer, Moderator und Mediator, teils auch Ideen- und Impulsgeber ist.
Keywords
Krankenhaus-Management, Innovationen, Konzepte, Strategien
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