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2. Ausgabe 1996 |
Praktische Erfahrungen mit einer operativen Tagesklinik aus der Sicht des Mediziners
J. Busse
Das Gesundheitsstrukturgesetz verpflichtet die Krankenhäuser, im Rahmen ihres Sicherstellungsauftrages in jedem Einzelfall zu prüfen, ob medizinisch indizierte operative Eingriffe auch ambulant im Krankenhaus durchzuführen sind. Der dreiseitige Vertrag zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Krankenkassenverbände stellt die organisatorischen Voraussetzungen für das "Ambulante Operieren " sicher und regelt die Verantwortlichkeiten der beteiligten Institutionen und Ärzte.
Das Ambulante Operieren ist im Städt. Krankenhaus der Stadt Solingen seit dem 1. September 1994 als Institutsleistung eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt wurde die "Operative Tagesklinik" für ambulante Operationen in Betrieb genommen. Nach mehrmonatigen Umbauarbeiten stand ein interdisziplinäres Zentrum zur Verfügung, in dem ambulante operative Eingriffe von 9 Kliniken des Städt. Krankenhauses organisatorisch betreut werden. Voruntersuchung und Beratung, Aufnahme und Nachbetreuung werden weitgehend zentral durchgeführt. Die organisatorische Leitung der "Operativen Tagesklinik" liegt beim Leiter der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin des Städt. Krankenhauses.
Die "Operative Tagesklinik" ist mit modernen Funktionsräumen und 12 Betten ausgestattet. Planung und Umbauarbeiten standen unter der Zielsetzung, den Patienten den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Die ambulanten Operationen werden mit dem gleichen Qualitäts- und Sicherheitsstandard und in den gleichen Operationsräumen wie die stationären Operationen vorgenommen.
Bei ambulanten Operationen werden die Patienten in der Regel auf Überweisung durch den niedergelassenen Arzt am Morgen des Eingriffs aufgenommen und am Nachmittag bzw. am frühen Abend wieder nach Hause entlassen.
Als ambulante operative Eingriffe kommen Eingriffe, die entweder in einer Allgemeinanästhesie oder durch ein regionales Anästhesieverfahren durchgeführt werden können, in Frage. Vorwiegend handelt es sich um unfallchirurgische oder allgemeinchirurgische Eingriffe. Kleinere gynäkologische Eingriffe und kleinere Eingriffe im Bereich der Urologie oder HNO-Heilkunde brauchen ebenfalls nicht stationär zu erfolgen. Der Patient sollte mit seinem behandelnden Arzt absprechen, ob der bei ihm geplante Eingriff ambulant erfolgen kann.
Grundvoraussetzung ist, daß der Patient selbst einen ambulanten Eingriff wünscht und er nach dem Eingriff mit Hilfe von Angehörigen weiterversorgt werden kann. Wünschenswert ist auch ein Telefonanschluß, damit der Patient und seine Angehörigen sich in Zweifelsfällen rasch bei dem Operateur Rat holen können. Die Entfernung zur Klinik sollte nicht zu groß sein, damit diese im Notfall rasch erreichbar ist.
Der große Vorteil für den Patienten besteht in dem nur wenige Stunden dauernden Aufenthalt in der Klinik. Der Patient wird auf diese Weise nicht für längere Zeit von seinem häuslichen Milieu ferngehalten, er muß sich nicht in die für ihn neue und fremde Klinikatmosphäre eingewöhnen. Die Krankenunterlagen des Hausarztes werden natürlich mitverwertet. Sie sollten vom Patienten zur ersten Beratung mitgebracht werden. Den Termin erhält er von der Tagesklinik. Die gleichzeitigen Sprechstunden mehrerer Spezialisten erlauben es ihm, die Vorberatung und die notwendigen Voruntersuchungen möglichst an einem Vormittag zu erledigen. Bei Bedarf wird eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt, die maximal jedoch auf 5 Tage beschränkt ist.
Arzneimittel sowie Verbandmittel werden vom Krankenhaus für maximal 3 Tage -wie auch sonst vom niedergelassenen, ambulant operierenden Arzt - mitgegeben. Muß, was nicht immer zu vermeiden ist, der Patient für wenige Tage aufgenommen werden, so geschieht dies ohne großen bürokratischen Aufwand durch Verlegung innerhalb des Hauses.
Merkblätter der Tagesklinik erleichtern dem Patienten die Orientierung. Informationen über die anstehende Operation sollen ihn unterrichten und ihm die Angst vor der Operation nehmen.
Mit der Einrichtung der "Operativen Tagesklinik" stellt sich das Städt. Krankenhaus Solingen den Erfordernissen des Gesundheits-Struktur-Gesetzes. Die Bilanz nach mehr als einem Jahr seit Inbetriebnahme der Abteilung zeigt, daß das ambulante Operieren im Städt. Krankenhaus Solingen angenommen worden ist. Viele Reaktionen von behandelten Patienten lassen aufgrund einer Patientenbefragung, die vom Deutschen Krankenhausinstitut Düsseldorf durchgeführt wurde, auf eine hohe Akzeptanz und eine stärker werdende Inanspruchnahme schließen.
Keywords
Ambulante Operationen, Tagesklinik, Erfahrungen
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