Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung 2. Ausgabe 1996


Brandverletzungen, spezieller Aspekt: Inhalationstrauma

P. Voeltz

Das Inhalationstrauma hat eine immanente Auswirkung auf die Morbidität und Letalität von Brandverletzten. Unter dem Begriff werden thermische und chemische Schädigungen der Luftwege und des Lungengewebes durch Rauch zusammengefaßt, die zusätzlich mit systemischen Intoxikationen einhergehen können. Da das Feuer den im Raum vorhandenen Sauerstoff verzehrt, sind die Patienten bei verzögerter Rettung zusätzlich einer Hypoxie ausgesetzt.

Die thermischen Schädigungen betreffen  überwiegend den Nasen-Rachen-Raum, den Kehlkopf, die Trachea, aber manchmal auch das kraniale Bronchialsystem.

Zu einer chemischen Schädigung der Bronchialschleimhaut und auch der Alveolen kommt es durch Einatmung der im Qualm enthaltenen Brandgase und Rußpartikel. Baustoffe, Einrichtungsmaterialien und Textilien bestehen heute aus einer Vielzahl verschiedener Kunststoffe, so daß bei einem Brand die Zusammensetzung der entstehenden Rauchgase sehr unterschiedlich ist. Die sich häufig erst in den ersten 24 Stunden entwickelnde respiratorische Insuffizienz ist die Folge eines abakteriellen entzündlichen  Ödems mit proteinreicher Exsudation in das Bronchiallumen. Den weiteren Verlauf komplizieren bakterielle Superinfektionen, die zu Bronchipneumonien führen und in ein ARDS  übergehen können.

Inhalative systemische Intoxikationen werden durch Kohlendioxyd, Kohlenmonoxyd und Blausäureverbindungen verursacht.

Bei der Diagnostik des Inhalationstraumas haben die Anamnese, wiederholte arterielle Blutgasanalysen, einschließlich der Bestimmung von CO-Hb und Met-Hb sowie die fiberoptische Bronchoskopie den wichtigsten Stellenwert.

Eine spezifische Therapie des Inhalationstraumas ist nicht bekannt. Bei sich manifestierender respiratorischer Insuffizienz ist eine differenzierte Respiratortherapie frühzeitig indiziert. Brandverletzte Patienten mit einem Inhalationstrauma haben einen deutlich  über dem nach der PARKLAND-Formel berechneten Flüssigkeitsbedarf. Zur Optimierung der Lungenperfusion ist ein Mehrbedarf von etwa 40 % in den ersten 24 Stunden anzusetzen. Als adjuvante medikamentöse Maßnahmen sind Mucosekretolytika und Theophyllinderivate indiziert.

Weder für eine inhalative noch für eine systemische Steroidtherapie wurde ein Nutzen nachgewiesen. Ebenso sollte eine prophylaktische Antidotbehandlung gegen eine Cyanid-Intoxikation unterlassen werden.

Keywords
Intensivbehandlung, Brandverletzungen, Inhalationstrauma, Diagnostik

Anschrift

Dr. med. P. Voeltz
Abt. f. Anästhesie und Intensivmedizin des
Berufsgenossenschaftlichen Krankenhauses Hamburg
Bergedorfer Str. 10
D-21033 Hamburg

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