Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung 1. Ausgabe 1996


Megacode - Training der kardiopulmonalen Reanimation

M. Heßbrügge

Das Megacode- Training wird zur Ausbildung des medizinischen Personals in erweiterten mechanischen, medikamentösen und elektrischen Reanimationsmaßnahmen angeboten.

In Begleitung eines Tutors erarbeitet ein aus vier Übenden bestehendes Team eine vorgegebene Notfallsituation vom Eintreffen des Patienten bis zur Beendigung des Rettungseinsatzes.

Modellanordnung

Die Schulungseinheit besteht aus einer Übungsgruppe Arrhythmia Anne® (Megacode-Trainer, Fa Laerdal), an der Maskenbeatmung, Pulskontrolle und Herzdruckmassage ausgeführt werden können. Über entsprechend positionierte Elektroden können EKG- Ableitung und Defibrillation stattfinden. Die endotracheale Intubation ist am Beatmungsmodell (Laerdal Airway Management Trainer) durchzuführen, wobei die Möglichkeit der Sauerstoffapplikation auch über eine Beatmungseinheit (Oxylog...) besteht. Zur intravenösen Infusions- und Medikamentenapplikation gehört ein Infusionsarm (...) zur Modellanordnung.

Gekoppelt ist das Übungsmodell an ein Display, daß als Skillmeter die Maßnahmen wie Beatmung und Herzdruckmassage auf Richtigkeit und Effizienz überprüft und auswertet. Ein Herzrhythmussimulator (Laerdal Heartsim 2000) mit Monitor-Interface ermöglicht dem Tutor, über eine Fernbedienung ein ausgewähltes Trainingsprotokoll vorzugeben und die differenzierten Herzrhythmusstörungen entsprechend der therapeutischen Schritte ablaufen zu lassen. Das Auditorium kann über einen Bildschirm am EKG- Protokoll teilnehmen.

Rollenverteilung

Entsprechend einer kardiopulmonalen Notfallsituation werden den vier Übungsteilnehmern verschiedene Aufgabenbereiche zugewiesen.

Helfer 1 sichtet und beaufsichtigt die Situation. Als Chef beurteilt er die Lage, diagnostiziert, hält Rücksprache mit dem Tutor, ordnet Therapieschritte an und trifft weitere Entscheidungen zum Reanimationsablauf. Helfer 2 ist neben der Feststellung der Bewußtseinslage für die Kontrolle der Atmung und Durchführung der Beatmung und endotrachealen Medikamentengabe zuständig. Helfer 3 kontrolliert die Kreislaufparameter über Puls- und EKG- Verlauf und übt die externe Herzdruckmassage und Defibrillation aus. Helfer 4 führt auf Anordnung die intravenöse Applikation von Medikamenten und Infusionen aus, kontrolliert den Blutdruck und assistiert bei der Intubation.

Die Teilnehmer werden darauf hingewiesen, daß die Koordination vom `Chef` ausgeht, obgleich Behandlungsvorschläge gemacht werden können und gegenseitige Zusammenarbeit erwünscht ist.

Durchführung der Übungen

Nach ausführlicher Erläuterung der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten am Modell gibt der Tutor dem Team die programmierte Einsatzlage vor. Symptome, die nicht simuliert werden können, werden auf Anfrage mitgeteilt. Entsprechend der Therapieschritte wird vom Tutor der EKG- Ablauf manipuliert.

Fallbeispiele

1. Kammerflimmern nach Infarkt

Das Team soll mit dem NEF und einem RTW in eine Privatwohnung geschickt werden. Die Rettungsleitstelle hat die Alarmierung mit dem Zusatz Herz versehen: Ein 60-jähriger Mann verspürt seit den frühen Morgenstunden Brustschmerzen. Die Beschwerden haben sich nach Nitrogabe nicht gebessert. Schließlich ist Luftnot hinzugekommen. Der Patient ist dann plötzlich (15 Minuten vor dem Eintreffen des Teams) bewußtlos geworden. Die Ehefrau hat bisher keine Maßnahmen ergriffen.

2. Asystolie

Notfallmeldung: Bewußtlose Person im Stadtpark. Die Alarmierung des NEF und RTW erfolgt über die Leitstelle. Bei Eintreffen findet sich ein etwa 50-jähriger Patient, der reglos auf dem Boden liegt. Die zuvor eingetroffene RTW- Besatzung hat bisher nur die Bewußtlosigkeit des Patienten festgestellt.

Auswertung

In der abschließenden Diskussion wird das Übungsprotokoll gemeinsam anhand der Reanimationsrichtlinien des Arbeitskreises Erweiterte Lebensrettende Maßnahme des European Resuscitation Council (ERC) erörtert. Die Zeit vom Eintreffen des Teams vor Ort über den diagnostischen Block bis zum Beginn der ersten therapeutischen Maßnahmen wird rekonstruiert. Die Effizienz der Zwei-Helfer-Methode wird anhand der abrufbaren Auswertung auf dem Skillmeter dargestellt. Ebenso wie die Problematik der Frühdefibrillation geben Katecholaminapplikation und Infusionstherapie regelmäßig Anlaß zur Diskussion. Schwierigkeiten bei der endotrachealen Intubation und Beatmung werden besprochen, und gegebenenfalls wird die Möglichkeit zur wiederholten Übung unter Anleitung gegeben. Besondere Bedeutung in der Besprechung gewinnt die EKG-Beurteilung mit differenzierter Rhythmusanalyse im Verlauf der Reanimation. Nach erfolgreicher Reanimation wird auf die Bedeutung der Befundübergabe an Rettungsleitzentrale und weiterbehandelnde Klinik zur adäquaten Übernahme des praeklinisch erstversorgten Notfallpatienten hingewiesen. Schließlich wird in Abhängigkeit der aktuellen Teamzusammensetzung das gruppendynamische Verhalten diskutiert und die Kooperation zwischen Notarzt und Rettungspersonal dargestellt.

Das Training am Megacode- Übungsmodell kommt der klinischen Situation bei Herz-Kreislaufstillstand sehr nahe (2). Die realistische Darstellung bietet den Teilnehmern die Einarbeitung in die typische Notfallsituation, die Entwicklung einer Arbeitsdiagnose und das Einleiten entsprechender therapeutischer Maßnahmen im Rahmen der erweiterten kardiopulmonalen Reanimation. Ein protokollierter Ablauf des Trainings gestattet es, die Effizienz der Maßnahmen zu prüfen und zu erörtern (1). Aufgrund kontrollierter Simulation und Aufarbeitung von Notfallsituationen eignet sich das Megacode- Training in der Ausbildung des medizinischen Personals sowohl zur Dokumentation des Lernerfolgs als auch zum Vergleich verschiedener Maßnahmen bei der erweiterten Reanimation (1).

Keywords
Kardiopulmonaler Notfall, Reanimation, Training

Anschrift

Dr. M. Heßbrügge
Institut für Anästhesiologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstr. 55
D-45122 Essen

Literatur
[1] Domanovits H, Sterz F, Laggner AN (1992) Megacode-Training sichert Lernerfolg. Notfallmedizin 18: 278-282

[2] Stratton JS, Kane G, Gunter CS et al (1991) Prospective study of manikin-only versus manikin and human subject endotracheal intubation training of paramedics. Ann Emerg Med 20: 1314-1318


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