Prophylaxe und Therapie
chirurgischer Infektionen
Konzepte und klinische Wirklichkeit
H. Tassler
Chirurgische Wundinfektionen sind nach
Harnwegsinfektionen häufigste Infektionsursache. Sie
verursachten bereits 1985 nach den Ergebnissen des
weltweit größten Untersuchungsprogramms zur Kontrolle
nosokomialer Infektionen (SENIC) die höchsten Kosten
selbst im Vergleich zur Therapie von Pneumonien und
Bakteriämien. Die klinische Forschung und Programme zur
Kontrolle nosokomialer Infektionen haben in den beiden
vergangenen Jahrzehnten unsere Kenntnisse über die
Infektionsepidemiologie erweitert und durch eine
abgestufte Darstellung infektionsbegünstigender Faktoren
Voraussetzungen dazu geschaffen, die beeinflußbaren
Risiken zu vermindern und damit die Infektionsraten
wirksam zu senken. Die aktuelle
epidemiologische Diskussion unterscheidet in den
chirurgischen Disziplinen zwei Risikokreise:
- die patientenbezogenen Risiken,
- die operationsbezogenen Risiken.
1992 wurden die Klassifikationen von
Cruse und Ford, die in die verbesserte Risikobewertung
von Haley eingeflossen sind, erweitert durch einen
Konsensus von Fachgesellschaften der USA mit einer
abgestuften Risikodarstellung.
Aktueller Diskussionsbeitrag sind die
soeben publizierten Empfehlungen einer Expertenkommission
der PEG, der zusätzliche risikoadaptierte und
diagnosebezogene Empfehlungen zur rationalen
Antibiotikatherapie zu entnehmen sind. Die konkreten
Prophylaxe- und Therapieempfehlungen für die
chirurgischen Disziplinen etwa im Vergleich zu
Simon-Stille´s "Antibiotikatherapie" oder dem
Beitrag von Zimmerli im "Chirurg" 12/98 sind
für den deutschen Sprachraum zumindest tendenziell
übereinstimmend.
Es kann danach für die
Infektionsprophylaxe und therapie von einem
breiten wissenschaftlichen Konsens ausgegangen werden,
der jedoch nur dann wirksam sein kann , wenn er in der
klinischen Wirklichkeit umgesetzt wird. Sowohl bei der
Planung, als auch bei der Auswertung einer
Anwendungsbeobachtung mit Tazobac® wurde auf
diesen Aspekt besonderer Wert gelegt. Im Gegensatz zu
Phase III-Studien sind die behandelnden Ärzte bei
Anwendungsbeobachtungen in der Wahl des Medikaments, des
Zeitpunkts und der Dauer der Anwendung und bei der
Begleitmedikation nicht gebunden, so daß die Ergebnisse
besser als etwa Umfragen repräsentative Rückschlüsse
darüber erlauben, ob und in welchem Umfang
infektionsepidemiologische Erkenntnisse und konkrete
Prophylaxe- und Therapieempfehlungen in den chirurgischen
Kliniken umgesetzt werden.
Die Anwendungsbeobachtung galt
Tazobac® in der Dosierung 2
g/0,5 g bei postoperativen und posttraumatischen
Wundinfektionen. Eingeschlossen wurden 808 Patienten
durch 330 Ärzte aller Versorgungsstufen aller
chirurgischen Disziplinen, darunter am häufigsten
vertreten Visceral- und Unfallchirurgen mit 49,6 % und
Urologen mit 19,6 % (s. Tab. 1).
Tabelle 1: Einordnung von Patienten
in Bettenklassen
| Bettenklasse |
Patienten N
|
Patienten %
|
| <
100 |
24
|
3,0
|
| 100 -
400 |
325
|
40,2
|
| 400 -
800 |
241
|
29,8
|
| >
800 |
204
|
25,3
|
| Keine
Angabe |
14
|
1,7
|
| Gesamt |
808
|
100
|
40,7 % der Patienten waren weiblich,
61,3 % älter als 50 Jahre. 9,2 % der Infektionen wurden
als leicht, 55,7 % als mittelschwer, 32,8 % als schwer
eingestuft, bei 2,4 % fehlten diese Angaben.
Fortsetzung nächste Seite
 
|