Jürgen Collatz (Hrsg.)

Familienmedizin in Deutschland
Notwendigkeit – Dilemma – Perspektiven

2010, 340 Seiten,
ISBN 978-3-89967-614-3,
Preis: 30,- Euro

Die Situation der Familien in Deutschland erscheint im internationalen Vergleich auffällig und verbesserungswürdig. Die Anforderungen an Mütter und Kinder führen immer häufiger zu Überlastungen und in Folge zu gesundheitlichen Störungen und Fehlentwicklungen. Immer mehr Mütter und Kinder, insbesondere in Einelternfamilien, sind von Armut und Ausgrenzung betroffen. Neueste repräsentative empirische Ergebnisse weisen auf eine "neue Morbidität" hin, bei der Erschöpfung, psychische Störungen und sich früh chronifizierende Erkrankungen dominieren. Diese Entwicklungen verlangen eine inhaltliche Neuorientierung der Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern, denn vielfach können diese gesundheitlichen Störungen nur im Rahmen der Familie wirksam behandelt werden. Diagnostik und Therapie müssen sich mehr auf die multifokalen Anforderungen der Familiengesundheit konzentrieren. In Deutschland sind familienmedizinische Angebote unterentwickelt und mangelhaft finanziert. Bisher werden familienmedizinische Angebote atomisiert in verschiedensten Fachbereichen vorgehalten, die zudem miteinander konkurrieren statt zu kooperieren. Erschöpfte Mütter und ihre Kinder benötigen zumeist aber multifokale, umfassende Hilfen (case management), die leicht erreichbar sein müssen. Mit präventiven und frühen rehabilitativen Maßnahmen sind besonders hohe und nachhaltige Effekte für Mütter, Kinder und Familien zu erzielen. Internationale Studien zeigen, dass eine familienmedizinisch orientierte Versorgung bedeutend effektiver und kostengünstiger wäre.
In diesem Buch stellen führende Autoren verschiedenster Fachbereiche neue Ergebnisse ihrer Forschung vor, diskutieren die Notwendigkeit und das derzeitige Dilemma der Familienmedizin und entwickeln Perspektiven.

Deutschland braucht eine inhaltlich-strukturell orientierte Gesundheitsreform, die eine generationenspezifische, koordinierte Gesundheitsversorgung mit regionalem Bezug als Zukunftskonzept wissenschaftlich evaluiert entwickelt.


Inhalt:

Vorwort

Grußwort: Frau Bundesministerin Ursula von der Leyen

Hans Bertram: Familiensituation und Familienpolitik in Deutschland

Jürgen Collatz: Zuspitzungen der Problemlagen von Müttern/Vätern und Kindern und die Notwendigkeit einer familienmedizinischen Orientierung des Gesundheitssystems in Deutschland

Heike Hölling, Robert Schlack, Bärbel-Maria Kurth: Kinder – Familien – Gesundheit: Fakten und Zahlen aus dem bundesweit repräsentativen Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS)

Stefanie Sperlich: Psychosoziale Belastungen – ein Aspekt gesundheitlicher Ungleichheit von Müttern?

Karl E. Bergmann, Renate L. Bergmann, Joachim W. Dudenhausen: Möglichkeiten und Wirksamkeit einer präventiven Familienmedizin in Deutschland

Christine Hagen, Cornelia Lange, Thomas Lampert: Gesundheitliche Situation von Kindern allein erziehender Mütter in Deutschland

Gisela C. Fischer-Sohnius: Notwendigkeit der Familienmedizin aus Sicht der Allgemeinmedizin

Ute Thyen: Familienorientierte Versorgung in der Kinder- und Jugendmedizin. Auswirkungen von chronischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen auf das Familiensystem und Erfordernisse an die Gesundheitsversorgung

Mechthild Neises: Entwicklung von Weiblichkeit und psychosomatische Frauengesundheit

Christoph Gutenbrunner, Monika Schwarze, Axel Kobelt: Die Bedeutung der Erschöpfung für die Rehabilitation

Matthias Franz, Wilhelm Ulrich: Die gesundheitliche Situation von Kindern in Einelternfamilien

Hans Bertram: Keine Zeit für Liebe – keine Zeit für Kinder?

Pabst Science Publishers
Eichengrund 28
D-49525 Lengerich


  • Auch bei Bestellungen per Email 
    bitte immer die Lieferanschrift  angeben. Vielen Dank.